Aktuelle Position: Berichte » Fischerzeugerring Mittelfranken: Endlich ruhiges Fahrwasser?
Aktuelles Datum 17.11.2017 22:22


Fischerzeugerring Mittelfranken: Endlich ruhiges Fahrwasser?

Thomas Müller-Braun

Günter Gabsteiger, Albert Deß, Konrad Bartmann
Der Vorsitzende des Fischerzeugerrings Günter Gabsteiger, MdL, neben ihm VBB-Vorsitzender Albert Deß und Geschäftsführer Konrad Bartmann.

Zum wiederholten Male innerhalb weniger Jahre musste der Fischerzeugerring Mittelfranken die Mitgliedsbeiträge kräftig heraufsetzen. Die Mitgliederversammlung am 3. Februar 2006 nahm bei einer Gegenstimme und 5 Enthaltungen den Vorschlag des Vorsitzenden Günter Gabsteiger MdL an, die Beiträge um 25% zu erhöhen. Einzige Alternative dazu wäre nur die Entlassung eines weiteren Ringassistenten gewesen, deren Zahl ohnehin von früher einmal fünf auf inzwischen drei geschrumpft ist.
Der Vorsitzende Günter Gabsteiger versprach jedoch, dafür zu kämpfen, dass er den nunmehr erhöhten Beitrag so nicht einziehen muss, wenn es ihm gelingen sollte, zusätzliche Mittel des Freistaates Bayern und des Bezirks Mittelfranken freizumachen.
In der mit 80 Personen gut besetzten „Hammerschmiede“ in Birnbaum (Gemeinde Gerhardshofen) konnte Günter Gabsteiger neben vielen Mitgliedern auch eine Anzahl wichtiger Ehrengäste begrüßen. Als Abgeordnetenkollegin war die Kreisbäuerin des Landkreises Neustadt a.d. Aisch - Bad Windsheim Frau Christa Götz anwesend, den Bezirkstagspräsidenten vertrat Bezirksrat Gerhard Gerhäuser. Weiterhin sprachen Fritz Loscher-Frühwald als Präsident des Fischereiverbandes Mittelfranken und gleichzeitig stellv. Landrat im Landkreis Neustadt a.d. Aisch - Bad Windsheim, sowie der 1. Bürgermeister Müller aus der Gemeinde Gerhardshofen Grußworte.
Hauptredner des Abends aber war der Vorsitzende des Verbandes der Bayer. Berufsfischer, Europaabgeordneter Albert Deß, der zusammen mit Geschäftsführer Konrad Bartmann angereist war. Umfassend informierte Albert Deß die anwesenden Mitglieder des Fischerzeugerrings über seine Arbeit und die Strukturen im Europäischen Parlament. Er verwies darauf, dass die Neigung zu zentralistischen Regelungen in vielen EU-Mitgliedsländern Tradition sei. Dies führe zu einer aufgeblähten Bürokratie, die wirtschaftliche Entwicklungen behindere. Allerdings sei es bei der früheren Bundesregierung auch noch üblich gewesen, auf Regelungen, die aus Brüssel kamen, zusätzliche Bedingungen aufzupacken, was zu einer Wettbewerbsverzerrung führte.
Nachdem ein relativ hoher Anteil EU-Förderung nach Bayern fließe, sei zu beobachten, dass die Kontrollstellen aus Brüssel sozusagen auf die Bayern scharf gemacht würden. Er halte es aber nach wie vor für äußerst wichtig, dass die Kleinteichwirtschaft gefördert wird, denn die Teichlandschaften prägten das Gesicht Europas. Es sei für ihn unverständlich, dass der Oberste Rechnungshof in Bayern sich gegen die Kofinanzierung von Fördermaßnahmen ausgesprochen habe. Hierzu erwarte er, ebenso wie Günter Gabsteiger als Abgeordneter des Landtags, dass die unsachliche und von wenig Kenntnis geprägte Kritik der fischereilichen Förderung vom Parlament zurückgewiesen werde.
Zum Biberproblem habe er, Albert Deß, eine mündlichen Anfrage an die Kommission gestellt, um verbindliche Auskunft darüber zu bekommen, wer dort eingreifen muss, wo die übervermehrten Biber ein Problem geworden sind. Er erwarte sich die Auskunft, dass dies Sache der Mitgliedsländer sei, denen Brüssel bei Problemen freie Hand lasse.
Zuvor hatte auch Vorsitzender Günter Gabsteiger in seinem Jahresbericht auf die Probleme mit Kormoranen und Biber hingewiesen. Auch das Koi-Herpes-Virus, dessen Auswirkung für die Fischerei noch nicht abzusehen sei, war ein Thema. Alle Redner und auch Frau Dr. Pfeil-Butzin vom Fischgesundheitsdienst, warnten davor, Zierfische, insbesondere Koi aus falsch verstandener Tierliebe in Teiche auszusetzen.
Vorsitzender Gabsteiger lobte in seinem Bericht die Arbeit der Ringassistenten, die in Mittelfranken bei 513 Mitgliedern des Erzeugerrings 1780 Teiche regelmäßig betreuten. Er bedankte sich auch beim Bezirk, der den Erzeugerring regelmäßig unterstützte und bei den Teichgenossenschaften, die den Ring durch Gesamtmitgliedschaften finanziell förderten.
Gabsteiger schilderte auch, wie es zu dramatischen Finanzsituationen im Erzeugerring gekommen sei. Neben den laufenden Zahlungen an das LKV müssten auch noch alte Darlehen abgezahlt werden, was die Situation angesichts weiterer Mittelkürzungen durch den Freistaat immer wieder von neuem erschwere. Er wolle aber nach vorne blicken.
Zu Fachbeiträgen meldeten sich noch Dr. Thomas Vordermeier, Fachberater und Sachverständiger beim Bezirk Mittelfranken, der für das laufende FIAF-Programm warb und auf den Triesdorfer Fischtag, 25. Februar 2006, hinwies und Mario Migliarina als Sprecher der Ringassistenten, der für die kommende Saison Knappheit bei den K2 voraus sagte und empfahl, die Karpfenbrut gut anzufüttern und beim Umsetzen in ein Salzbad zu tauchen.
Dr. Christian Proske, Vorsitzender des VDBI, verwies noch mal auf das Koi-Her-pes-Problem und empfahl beim Ankauf von Setzlingen auf einheimische Zucht und seuchenfreie Betriebe zu achten. Er wies daraufhin, dass Zierfischbestände in Ländern außerhalb Europas zum Teil bewusst mit dem Koi-Herpes-Virus infiziert würden, um die resistenten Fische dann verkaufen zu können. Diese aber trügen das Virus nach wie vor in sich und würden bei unsachgemäßer Haltung dieses auch weitergeben.

Insgesamt nahmen die Mitglieder des Erzeugerrings eine geballte Ladung an Informationen aus der diesjährigen Jahresversammlung mit.

Aus Fischer&Teichwirt 03/2006


nach obennach oben
Letzte Änderung am 24. März 2006
© 2004 - 2017 Fischerzeugerring Mittelfranken e. V.