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Aktuelles Datum 30.04.2017 08:56


Karpfenwoche im Bayerischen Landtag

vom 28. - 30. März
Poster der Karpfenwoche im Bayerischen Landtag

Der Fischerzeugerring Mittelfranken informierte im Bayerischen Landtag zusammen mit den Teichgenossenschaften Mittelfranken, Oberfranken und Oberpfalz über die Bedeutung der Karpfenteichwirtschaft in der Region. In der Gaststätte des Landtags wurde während der gesamten Veranstaltung Karpfenspezialitäten in mehreren Zubereitungsvariationen aus Franken und der Oberpfalz angeboten.


Der Fischerzeugerring Mittelfranken (Vorsitzender MdL G. Gabsteiger) und die Teichgenossenschaften Mittelfranken, Oberfranken und Oberpfalz informieren im Bayerischen Landtag über die Karpfenteichwirtschaft in diesen Regionen.

Die Karpfenteichwirtschaft ist eine der ältesten Formen der Fischproduktion. Die ersten Anfänge der Karpfenproduktion in angelegten Teichen gingen im Mittelalter von Klöstern und Grundherren aus. Seither prägen zahlreiche Fischteiche und Weiherketten mit einer Wasserfläche von mehreren tausend Hektar das Bild weiter Teile Frankens und der Oberpfalz und bilden eine einzigartige Kulturlandschaft, die gerne von Einheimischen und Touristen zur Erholung genutzt wird.
Nicht zu unterschätzen ist die wasserwirtschaftliche Bedeutung der Teiche als Wasserrückhaltebecken und Kleinklimafaktor sowie der Anteil der Teiche im Natur- und Umweltschutz. Der Lebensraum Teich mit seinen vielen Teillebensräumen (Unterwasserwelt, Überwasser-Lebensraum, Röhricht) sichert einer Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten die Existenz.

Vögel:
Alle derzeitigen Brutvorkommen der Großen Rohrdommel liegen an Fischteichen in Nordbayern. Über 90% des Brutbestandes des Schwarzhalstauchers ist an Fischteichen angesiedelt. Fast alle bisherigen bayerischen Bruten der Moorente fanden in Fischteichgebieten statt. Das Tüpfelsumpfhuhn siedelt in Nordbayern hauptsächlich an Teichen. Die einzigen Bruten des Purpurreihers in Nordbayern in jüngster Zeit fanden in Teichgebieten statt.

Amphibien:
Die Hauptvorkommen des Moorfrosches in Bayern liegen in den großen Teichgebieten im Aischgrund, bei Tirschenreuth und im Schwandorf-Schwarzenfelder Teichgebiet.

Fische:
Für einige Kleinfischarten wie Bitterling, Schlammpeitzger, Moderlieschen, Schmerle, Gründling, Stichling etc sind Karpfenteiche unverzichtbare Refugien, da ihre natürlichen Habitate (Altwässer, pflanzenreiche Still-oder Fließgewässer) schon weitgehend zerstört worden sind.

Libellen:
Insbesondere die beiden in Bayern hochgefährdeten Moosjungfer-Arten Leucorrhinia rubicunda und Leucorrhinia pectoralis kommen fast nur noch an Teichen vor.

Bedeutung für die Pflanzengesellschaften:
Wie bei den Tierarten gilt auch für die Pflanzengesellschaften, dass diese an Teichen Ersatzstandorte besiedeln konnten, die heute, z. T. ausschließlich, das Überleben der Pflanzengesellschaft sichern.
Existenz und Vielfalt der Pflanzengesellschaften an Teichen stehen in enger Beziehung zur menschlichen Nutzung, für das Vorkommen bestimmter Gesellschaften sind manchmal spezielle Teiche von essentieller Bedeutung, da sie weder an angelegten Tümpeln noch an Baggerseen, Sandgruben, natürlichen Seen oder sonstigen Ersatzstandorten geeignete Existenzbedingungen finden.

Die Mehrzahl der regionalen Karpfenproduktionsbetriebe wird ausschließlich im Zu- oder Nebenerwerb bzw. als Freizeit- und Hobbybetrieb bewirtschaftet. Nur eine geringe Anzahl der Betriebe können mit ihrer Produktion den Lebensunterhalt sichern. Wie beim Wein- und Hopfenanbau handelt es sich bei der Karpfenteichwirtschaft um eine Sonderkultur der Landwirtschaft.

Die Teichgenossenschaften sehen sich als öffentlich rechtliche Genossenschaften in der Pflicht den einzelnen Teichwirt im Sinne der Satzung zu unterstützen: u. a. beim Bau und Unterhaltung von Fischteichen und Abfisch-/Hältereinrichtungen und bei der Umsetzung der Landschafts- und Naturschutzpflege.
Zur Qualitätssicherung des Produkts „Karpfen“ haben sich in Mittelfranken und der Oberpfalz Teichwirte zu Fischerzeugerringen zusammengeschlossen. In Mittelfranken beispielsweise werden die Karpfenteiche in regelmäßigen Abständen von Ringassistenten überprüft. Hierbei werden die Qualität des Teichwassers, die Gesundheit und das Wachstum der Karpfen kontrolliert und verglichen. Sie beraten die Teichwirte beim Fischbesatz der Teiche und besprechen mit ihnen die Art und Menge des Futters sowie die Pflege der Teiche.
Zur Produktoptimierung wurden in Zusammenarbeit mit Dr. Oberle, Bayerische Landesanstalt für Fischerei, Institut für Fischerei, Außenstelle für Karpfenteichwirtschaft, versuchsmäßig Fettmessungen am Karpfen durchgeführt. In Zukunft sollen diese Fettmessungen routinemäßig durchgeführt werden.
Letztendlich wirkt die Arbeit des Fischerzeugerrings also zum Schutz des Verbrauchers.

Innerhalb von drei Jahren wachsen die Karpfen in Naturteichen auf. Die Naturnahrung besteht vorwiegend aus Plankton und Larven von Mücken und Fliegen. Der Teichwirt muss darauf achten, dass genügend Naturnahrung zu Verfügung steht. Reicht die Naturnahrung für die Aufzucht von Speisekarpfen nicht aus wird als Beifutter Getreide zugefüttert. Im Oktober/November werden die Karpfenteiche abgefischt. Die einjährigen (K1) und zweijährigen (K2) Karpfen werden bis zum Frühjahr in tiefere Winterteiche umgesetzt, die Speisekarpfen (K3) werden hauptsächlich direkt an Gaststätten in der Region vermarktet.
Aufgrund der Karpfeneinfuhr aus Osteuropa ist der Preisdruck für den regionalen Karpfenerzeuger sehr groß und inzwischen haben es die kleinen Betriebe schwer wirtschaftlich über die Runden zu kommen.
Bleibt zu hoffen, dass der Karpfen auch überregional auf der Speisekarte an Bedeutung gewinnt, handelt es sich doch um ein ernährungsphysiologisch hochwertiges Nahrungsmittel.
Das Fleisch des Karpfens ist leicht verdaulich, da es fast frei von Bindegewebe ist. Es enthält hochwertiges Eiweiß und ist reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Auch zahlreiche Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente sind im Karpfenfleisch enthalten.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt daher pro Woche zwei Fischmahlzeiten. In den Zeiten der Verknappung der Meeresfische und Lebensmittelskandale ist der in Naturteichen langsam gewachsene Karpfen aus der Region eine schmackhafte Alternative.
Die Karpfenwoche bietet „Einsteigern“ die Gelegenheit sich über die naturnahe Karpfenproduktion zu informieren und in der Gaststätte des Landtags die „Spezialität Karpfen“ zu probieren.


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Letzte Änderung am 22. April 2006
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